Drei Bilder für die PRAXIS HARTLIEB

„Weißes Blatt (I) und (II)“ und „Blüte (I)“,
Fine Art Digital Print auf grundierter Leinwand, Heidemarie von Wedel, 2021

Als mich Johanna und Benjamin Hartlieb fragten, für ihre Praxis neue Bilder zu entwerfen, war ich spontan bereit, hatte aber noch keine Vorstellung, wie so etwas aussehen könnte. Es war so vieles im Wandel gerade, und es war für beide ein Anliegen parallel zur Renovierung und Neustrukturierung der Praxisräume, dies auch mit neuen Bildern anzugehen. Ich wusste ziemlich schnell, dass es große Bilder werden, in die ich „eintauchen“ kann, mehr nicht. Ich bat sie um Geduld und Zeit. Ein halbes Jahr lang fanden wir einen wunderbaren Dialog, haben immer wieder Entwürfe an der Wand probiert, bis es so wurde, wie es ist.

Wie kann ich Natur erfahren in einer „denaturierten“ Welt, einer Welt der Selbstentfremdung? Distanz ist eine Frage geworden und nährt den Wunsch nach einer neuen Nähe und Verbindung. Wo und wie erlebe ich „Natur“ ganz nah in meinem Leben? Wo begegne ich ihr? Nicht in der Natur dort draußen, sondern in mir. Wir leben schon lange in einer massiven Ausbeutung und einer damit verbundene Zerstörung natürlicher Ressourcen, einem globalen „Burnout Syndrom“.

Ich gehe jede freie Minute in den Wald und laufe, nicht schnell, sondern ganz im Rhythmus meines Atems. Seit der Pandemie praktiziere ich das noch mehr und ich schöpfe dadurch Energie und Zentrierung.

„Atmen bedeutet das Eintauchen in ein Milieu, das uns mit derselben Intensität durchdringt, wie wir es durchdringen.“

Emanuele Coccia

In vielen  Formen  sammle ich Bilder als Inspiration. Ich habe schon sehr lange ein „Herbarium“, ein Buch mit Löschpapier, in dem man Pflanzen konserviert.

 (Anmerk. Ein Herbarium oder Herbar (v. lat.: herba = Kraut) ist eine Sammlung meist getrockneter und gepresster Pflanzen bzw. Pflanzenteile für wissenschaftliche Zwecke in der Botanik. Mein Herbarium entstand aus der Faszination der Mannigfaltigkeit. Es füllt sich fortlaufend und intuitiv mit Naturformen, die ich finde.)

 Aus dieser Sammlung zu Pflanzen und Blätter  sind die Bilder für die Praxis entstanden, zwei aus der Serie  „Weiße Blätter“, und eines aus der Serie der „Blüten“. Sie werden durch das durchscheinende Licht und die Vergrößerung zu neuen Figuren. Sie stehen und zeigen sich neu. Es sind Bilder, die zur Kontemplation einladen. Ein Blatt ist Teil eines ganzen und jedes einzelne ist wiederum einzigartig. Es sind Naturformen, transparente Strukturen, die möglicherweise auffordern, sie  nicht nur aus wissenschaftlicher Distanz zu sehen, sondern sie zu erleben und uns auf diese Weise als Teil des Kosmischen wieder zu entdecken.

Heidemarie von Wedel ist bildende Künstlerin, Autorin und Hochschullehrerin  mit dem Fokus auf zeitgenössischer Fotografie und dem Künstlerbuch. Sie lebt und arbeitet in Stuttgart.

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